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  • Paul Sieberer

Lass mich dir eine Geschichte erzählen: In einem Fünf-Sterne-Himmelszelt, welches unweit der Milchstraße zu finden ist, treffen einander Himmelskörper zur jährlichen Weltall-Klausur. Gemeinsam nützen sie ein entspanntes Wochenende, um aktuelle Fragen zu diskutieren und interplanetarische Lösungsansätze zu finden.

„Schön, Euch wiederzusehen!“, strahlt die Sonne. Saturn, der sich für diese Anlässe gerne mit brillanten Ringen schmückt, betritt den gemütlichen Weltraum. Auch Herr Mars, der immer sehr schnell rot wird, wenn ihn Frau Venus anspricht, gesellt sich dazu. Jupiter fährt mit dem Großen Wagen vor, dessen Scheinwerferlicht den Mond erhellt, und Pluto bellt – kurz: die selbe Prozedur wie in jedem Jahr, wenn da nicht Mutter Erde wäre, die sich heute mit deutlich besorgter Miene zu den anderen gesellt.

„Menschenskinder, was ist los?“, fragt der sonst so kalte Uranus, „Du schwitzt ja fürchterlich! Ist dir bei der Anreise die Klimaanlage ausgefallen?“ Die erschöpfte Weltkugel setzt sich und berichtet: „Tatsächlich macht mir mein Klima große Sorgen! Meine Erdlinge treiben es zu lange schon zu bunt. Mir bleibt die Luft weg, Freunde! Die Zuversicht, der Mut – all das schwindet allmählich, versteht ihr?“

Mit Lichtgeschwindigkeit breitet sich Ratlosigkeit unter den Himmelskörpern aus. Schließlich meldet sich der kleine Merkur zu Wort: „Hi Friends, das ist doch ein klarer Fall für einen Klima-Schutzengel, oder etwa nicht?“ Neptun fällt ihm ins Wort: „Man sagt nicht Klima-Schutzengel! Es muss Klimaschutz-Engel heißen! Ich erwarte mir Präzession in der Begrifflichkeit bei diesem wichtigen Thema!“

Die nächsten Tage streiten die Expertinnen und Experten des Universums nunmehr um genau diese begriffliche Feinheit. Mutter Erde aber setzt sich in die Umlauf-Bahn und tritt ihre Heimreise an. Zuhause angekommen macht sie sich mit letzter Kraft selbst auf die Suche nach einem rettenden Klima-Schutzengel.

Und ob sie tatsächlich einen findet, kannst du nur in deiner eigenen Lebensgeschichte nachlesen.

© Paul Sieberer, veröffentlicht in KIRCHE bunt Nr. 40/2020

  • Paul Sieberer

Aktualisiert: Okt 1


Mein Beruf ist abwechslungsreich. Auch das Schreiben gehört dazu. Oftmals sind es Theaterstücke und Liedtexte, dann wieder Kurzgeschichten, aber auch Hörspiele so wie Reime für kleine Kindertaschenbücher.

An diesem heutigen Vormittag soll und will ich für einen Auftraggeber die Geschichte eines Mädchens erzählen, das liebend gerne in ihr Tagebuch schreibt. Um mich möglichst gut in die von mir „erdachten Menschen“ hineinfühlen zu können, ist es für mich besonders wichtig, eben diesen einen passenden Namen zu geben. Namen sind ausdruckstark, sie lassen in meinem Kopf Bilder entstehen, die ich im Verlauf der zu erfindenden Geschichte gut brauchen kann. Heute bin ich mir aber nicht sicher: „Ist Marianne der richtige Name für sie?“

Am Nachmittag bin ich mit meinem Hund auf einer großen Wiese spazieren, die in der Nähe des Lilienhofes, einem Mary Ward Haus, zu finden ist. Mir begegnet eine Ordensfrau, die mich freundlich fragt, ob sie meinem Hund ein paar Leckerlies geben darf. Sie hat immer ein paar davon in der Tasche. Wir beide genießen es ein wenig zu plaudern und tauschen uns über die Annehmlichkeiten eines Lebens mit Hunden aus. Nach einem frischen, lebendigen und humorvollen Gespräch verabschieden wir uns und gehen unsere Wege weiter.

„Wie ist ihr Name?“ will ich noch wissen, nachdem ich mich noch einmal umdrehe. „Marianne“, antwortet sie. Da soll mir noch einer sagen, dass Gott nicht mitdenkt!

© Paul Sieberer, veröffentlicht in KIRCHE bunt Nr. 38/2020

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